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Einem Blinden wirklich helfen – So trittst Du nicht ins Fettnäpfchen

Auf dem Foto steht Lydia an der Ecke einer stark befahrenen Straße. Sie trägt eine Sonnenbrille und hält einen Blindenstock in der rechten Hand. Die Ampel zeigt grün.

Einem Blinden wirklich helfe - So trittst Du nicht ins Fettnäpfchen

Sieht ein normal Sehender einen Blinden, so entsteht ganz schnell mal das Bedürfnis diesem zu helfen. Das Paradebeispiel ist der Blinde, der an der Straßenecke steht. Der will doch bestimmt über die Straße, denkst Du Dir. Und weil er das nicht alleine kann, greifst Du ihn Dir am Arm und schiebst ihn über die Straße. Und jetzt schafft er das alleine. Also nichts wie weg. Denn Du hast noch was vor an diesem Tag.

Einen Moment nachdenken und erst dann handeln

Aber fangen wir mal ganz vorne an. Wenn ein Blinder an einer Straßenecke steht, dann kann das unterschiedliche Gründe haben. Straßenecken sind markante Punkte. Vielleicht will er sich nur mit jemandem treffen und wartet einfach nur auf diese Person. Das findest Du heraus, indem Du fragst. „Kann ich helfen“, „Brauchen Sie Hilfe“, oder „Kommen Sie zurecht“ sind hier sehr hilfreich.

Einen Blinden ungefragt anzufassen, kann schmerzhafte Folgen für Dich haben. Der Blinde kann Dich nicht sehen. Er sieht also nicht, ob Du ein Taschendieb oder eine hilfsbereite Person bist. Aber seine Reflexe funktionieren genauso gut wie Deine, wenn Du Dich heftig erschreckst. Im schlimmsten Fall haut er auch mal zu, weil er nicht weiß ob Du Freund oder Feind bist. Das vermeidest Du, indem Du ihn direkt ansprichst. Dann kann er Dich zuordnen.




Wenn wir schon beim Sprechen sind: Ein Blinder kann ganz normal hören. Du brauchst ihm also nicht ins Ohr zu brüllen. Er versteht Dich auch, wenn Du in normaler Lautstärke mit ihm sprichst. Das kannst Du in normalem Tempo tun. Du brauchst Dir also keine Mühe zu geben, besonders langsam und gut artikuliert zu sprechen.

Du hast es mit einem erwachsenen Menschen zu tun. Wenn er Deine Hilfe ablehnt, dann respektiere das bitte. Du entscheidest schließlich auch selbst, wann Du etwas machst und wann Du Dir lieber helfen lässt. Blinde sind blind. Ansonsten haben sie dieselben Eigenschaften wie normal Sehende auch. Sowohl im positiven als auch im negativen Sinne.

Nimmt der Blinde Deine Hilfe an, dann frage ihn wie Du am besten helfen kannst. Das ist effektiver als ihn am Arm zu greifen und vor Dir herzuschieben. Er wird Dir entweder eine Hand auf die Schulter legen oder Deinen Ellenbogen greifen. Damit kann er anhand Deiner Bewegungen erspüren wie Euer Weg verläuft, ob Stufen kommen usw. Du brauchst ihn nicht zusätzlich festklemmen. Er wird sich selbst festhalten und hat kein Interesse irgendwo auf der Strecke zu bleiben.

Noch etwas, Du kannst in normalem Tempo laufen. Der Blinde ist normalerweise nicht gehbehindert, sondern lediglich sehbehindert. Und wenn er ein Problem mit dem Tempo hat, wird er Dir das sagen. Ach ja, Du brauchst auch nicht vor jeder noch so kleinen Bodenerhebung stehenzubleiben. Bevor Du diese angesagt hat, hat Dein Körper es ihm bereits verraten.



Typische Fragen die ein blinder Mensch nicht hören möchte

Kommen wir zum nächsten Fettnäpfchen. Fragen wie „Kann man da nichts machen?“ sind völlig unsinnig. Was meinst Du? Wäre der Blinde noch blind, wenn er oder seine Ärzte etwas daran ändern könnten? Auch Floskeln wie „Es muss ja schlimm sein blind zu sein“ oder „Ich kann mich gut in sie reinversetzen“, sparst Du Dir auch besser. Für ein Erstgespräch, welches nur eine Straßenüberquerung lang dauert, ist das keine gute Basis.

Hast Du dem Blinden erfolgreich geholfen, dann lauf nicht einfach so weg. Verabschiede Dich verbal. Das nimmt er wahr und weiß, dass Du gehst. Worte wie „tschüss“ oder „Ich gehe jetzt“ bewirken hier wahre Wunder. Wenn Du weg bist, ohne etwas gesagt zu haben, kann es sein, dass der Blinde denkt Du bist noch da. Er spricht dann weiter. Für Andere sieht es aus als führe er ein Selbstgespräch. Das kann peinlich werden. Und ich gehe davon aus, dass das nicht Deine Absicht ist.

Vielleicht hast Du mal einem Blinden Deine Hilfe angeboten und bist von dieser Person unhöflich behandelt worden. Lass Dich dadurch nicht beirren. Auch unter Blinden gibt es Menschen, die Höflichkeit ganz klein schreiben. Oder derjenige hatte schlechte Laune. Hast Du die nicht auch hin und wieder mal? Blinde und Sehende haben mehr gemeinsam als die meisten glauben wollen.

Wir sprechen auch eine gemeinsame Sprache. Du darfst also Redewendungen, die mit dem Wort „Sehen“ zu tun haben, ganz normal verwenden. Auch Blinde sagen schon mal „Wir sehen uns“, oder „Fernsehen“. Fernhören klingt doch etwas bescheuert. Findest Du nicht auch?

Über Mich

Gefallen Dir meine Ratschläge? Dann lade ich Dich herzlich ein auf meinem Blog vorbeizuschauen. Hier schreibe ich ganz viel über Blinde und ihren Alltag. Also, wir sehen uns bald auf LydiasWelt.



About Marvin

Ich schreibe beruflich wie privat leidenschaftlich gern Ratgeber aller Art. Wir alle haben Wissen zu teilen und das hier ist meine Plattform dafür. :)

2 Kommentare

  1. „Das ist effektiver als ihn am Arm zu greifen und hes n nomalem Tempo tun. Es ist vor Dir herzuschieben.“

    Korrekturlesen bewirkt Wunder 😉

    • Ich hatte Lydias Artikel noch einmal durchgelesen, aber das irgendwie übersprungen. Danke für den Hinweis. Habe es geändert. 😉

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